Gemeinwohl-Ökonomie – logisch und doch noch nicht weit verbreitet

Die von Christian Felber begründete Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) als Wirtschafsmodell der Zukunft ist noch ein recht junges Konstrukt und greift doch auf eine lange Geschichte (schon beschrieben von Platon ca. 340 v. Chr.) zurück. Denn der Ansatz, dass die Wirtschaft vorrangig dem Gemeinwohl und nicht der individuellen Gewinnmaximierung dienen soll, erscheint logisch. Leider handeln wir in unserem Wirtschaftsalltag oft nicht so, doch wir können einiges ändern, um stärker in diese Richtung zu gehen. Seit 2017 bin ich Mitglied des Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie, und werde mich nach meinem Umzug in den „Geburtsort“ der Bewegung nach Wien in der Regionalgruppe engagieren, um die Gedanken für diese Wirtschaftsform mit zu verbreiten.

Die Ideen inkl. der gesellschaftlichen und politischen Forderungen sind auf den Webseiten der GWÖ ausführlich beschrieben, ich möchte hier kurz darauf eingehen, warum dieser Weg für mich der richtige aus wirtschaftlicher Hinsicht ist. Das Wirtschaften für das Gemeinwohl basiert auf den Werten „Menschenwürde“, „Solidarität und Gerechtigkeit“, „Ökologische Nachhaltigkeit“ und „Mitbestimmung und Transparenz“, die für alle wesentlichen Stakeholder bewertet werden. Daraus entsteht ein Gemeinwohl-Bericht und eine Gemeinwohl-Bilanz, die idealerweise in der Zukunft Grundlage für wirtschaftliche Konsequenzen werden (z.B. durch Berücksichtigung bei Ausschreibungen). Derzeit ist dies noch nicht umsetzbar, trotzdem ist die Beschäftigung mit der GWÖ aus meiner Sicht für jedes Unternehmen wertvoll. Denn dadurch kann man intern Entwicklungspotenzial zur Verbesserung der wirtschaftlichen Arbeit identifizieren und sich gleichzeitig auf die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDG) vorbereiten, zu denen sich fast alle Staaten committet haben.  Weitere Nutzen sind auf der Website der GWÖ dargestellt.

Der umfassende Ansatz der Stakeholder in der von der GWÖ entwickelten Matrix  liefert einen 360° Blick auf die gesamte Geschäftstätigkeit und wird für uns ein Leitfaden sein, um unser Unternehmen weiter zu entwickeln. Wie in der Abbildung zu erkennen erfolgt die Berücksichtigung der Lieferanten, Eigentümer bzw. Finanzierer, Mitarbeiter, Kunden sowie Wettbewerber und der Gesellschaft insgesamt als Teilhaber am Unternehmen. Alle 20 Felder der Matrix werden bewertet, um zu erkennen, in welchen Bereichen Veränderungen erforderlich sind und angestrebt werden.

Ich freue mich darauf, in diesem Jahr noch den Lernweg als Gemeinwohlberater anzutreten und den Verein bei verschiedenen Veranstaltungen zu vertreten.