Für wen ist das direkte 3D-Drucken von Plastikflaschen eine Lösung?

Im Februar habe ich David Bassetti von 3D Seed das erste Mal während des Circularity Festivals getroffen und intensiv über seine Lösung für leere Plastikflaschen gesprochen. Er sieht diese als wertvollen Nährstoff für 3D Drucke und nicht als Müll. Und hat eine Lösung entwickelt, wie die Flaschen direkt in ein 3D gedrucktes Produkt umgewandelt werden können. Das Produkt lässt sich dabei individuell designen und sollte wieder für einen sinnvollen Zweck nutzbar sein. Denn etwas in 3D zu drucken, was dann sehr schnell wieder zu Plastikabfall wird, wäre nicht im Sinne des Circular Economy Gedankens.

Diese Idee bekommt man eher nicht, wenn man in Deutschland oder Österreich unterwegs ist, denn über das deutsche Pfandsystem oder die österreichische Sammlung von Plastikflaschen werden diese bereits einer Verwendung zugeführt. Zudem ist das Leitungswasser von so hoher Qualität, dass man Plastikflaschen leichter ersetzen kann, in dem man Trinkflaschen aus Glas, Edelstahl oder BPA-freiem Plastik nutzt. Ich persönlich bin Fan von https://dopper.com, zumal mit den Erlösen Wasserprojekte finanziert werden.

Nutzen statt verbrennen oder deponieren

Das sieht in vielen anderen Ländern ganz anders aus. Wer schon in Amerika, Asien oder Afrika war, kennt das Problem sehr gut. Oft werden die Plastikflaschen zwar mittlerweile gesammelt, doch dann ist die Frage, wo ein Recycling vorgenommen wird. Teils werden die Flaschen mit anderem Müll verbrannt, teils mit größerem Transportaufwand in Kleidung „downgecyclet“,. Das ist sehr schade, denn die Qualität des verwendeten PET verschlechtert sich durch Recycling im Normalfall nicht, wenn sortenrein gesammelt wird. Wobei ein immer noch großer Teil der Flaschen nicht mal dieser Verwertung zugeführt wird, sondern in Flüssen und Meeren endet, wie wir bei Cleanups öfter feststellen können.

Im Sinne einer lokalen Circular Economy wäre die beste Lösung, die Flaschen vor Ort möglichst wieder zu verarbeiten. Und mit einer optimierten Technologie ist das für 3D Seed bereits jetzt möglich. Man wirft eine Plastikflasche in den Shredder, und die daraus entstehenden Flakes können direkt in den 3D Drucker als Rohmaterial eingegeben werden. So erhält man vor Ort ein designtes Produkt, das direkt genutzt werden kann. Ein Anwendungsbeispiel war ein Festival, bei dem aus den Plastikflaschen Chips erstellt wurden, die dann für zukünftige Festivals gegen günstigere Eintrittskarten eingetauscht werden konnten. Doch es gibt noch wesentlich bessere Anwendungsfälle – so könnten Ersatzteile für Maschinen oder Geräte genauso wie Kunstwerke vor Ort erstellt werden. Die 3D-Designs sind per Open Source verfügbar und sorgen für direkte Interaktion.

Precious Plastics liefert Vorlagen für Mikro-Recycling Lösungen

Diese Technologie bietet nicht nur eine Wiederverwendung für das Material, sondern auch einen Anschauungsunterricht für Kinder und Erwachsene: „Plastikmüll“ ist kein Müll, sondern ein Grundstoff für ein neues Produkt. Der Kreislauf kann auf einfache und anschauliche Weise erläutert werden. Es greift die Ideen des Projekts Precious Plastics auf. Die Nutzung von Plastik als Wertstoff zu erkennen, war das Ziel des Gründers, der seine Unterlagen „open source“ einstellt. Precious Plastics liefert Bausätze für Maschinen, mit denen Plastik geschreddert und wieder neu geformt werden kann, sowie Business Tools, die dabei helfen, einen eigenen Business zu starten.

Leider werden viele dieser Projekte bisher nur im kleinen Rahmen von Enthusiasten umgesetzt, da es momentan noch aufwändig ist, das Plastik zu sammeln und aufzubereiten. Die Lösungen brauchen wir jedoch, damit wir weniger neues Plastik erstellen und die vorhandenen Wertstoffe besser nutzen.

Auch 3D Seed sucht noch Investoren, um das Modell zu verbessern. Wir haben einige Ideen, wie dies umgesetzt werden kann – damit lokale Organisationen weltweit das Plastik vor Ort verarbeiten können. Bitte sprechen Sie mich an, wenn Sie mehr darüber wissen möchten.